Freundes- und Förderkreis Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen (Anhalt) e.V.

Der 16. Köthener Herbst findet statt
vom 3. bis 5. September 2027

Johann Sebastian Bach als Kapellmeister
und Director musices

Im März 1714 avancierte Johann Sebastian Bach vom Organisten zum Konzertmeister der Weimarer Hofkapelle. Mit dem neuen Amt war auch der Auftrag zur turnusmäßigen Aufführung von Kirchenkantaten verbunden. Bach sollte damit den kränklichen Kapellmeister entlasten. Als dieser zwei Jahre darauf verstarb, hoffte er, dessen Nachfolge antreten zu können. Übergangen bei der Neubesetzung des Amtes verließ er Weimar im Dember 1717, um in Köthen die vakant gewordene Kapellmeisterstelle zu übernehmen. Ob Bach tatsächlich glaubte, bei einem „gnädigen und Music so wohl liebenden als kennenden Fürsten“ dort seine „Lebenszeit beschließen“ zu können, ist fraglich und lediglich durch eine spätere Briefstelle - vielleicht im verklärten Rückblick - belegt. Denn auch die Köthener Zeit wurde zunehmend von Misshelligkeiten überschattet, weswegen Bach im Frühjahr 1723 sein „Fortun“ in der weltoffenen Messemetropole Leipzig, dem damaligen „Klein Paris“, suchte. Anfänglich wollte es ihm „gar nicht anständig seyn, … aus einem Capellmeister ein Cantore zu werden“, weshalb er längere Zeit zögerte, das neue Amt zu übernehmen. Als Thomaskantor war Bach aber zugleich „Director Musices“, also das Oberhaupt der städtischen Musikpflege. Im März 1729 übernahm er außerdem die Leitung eines der beiden Leipziger Collegia musica, womit er wiederum - zumindest indirekt - in die Funktion eines Kapellmeisters zurückkehrte. 1736 erhielt er vom Dresdner Kurfürsten den lang ersehnten Titel „Compositeur bey der Königlichen HofCapelle“ und untermauerte somit auch sein Selbstverständnis als Kapellmeister. Drei Jahre zuvor hatte er seine Missa in h-Moll (Kyrie & Gloria) dem Dresdner Kurfürst dezidiert und diesem ein Gesuch um den ebengenannten Titel überreicht. Seine schulischen Aufgaben scheint Bach - vor allem in späteren Jahren - vernachlässigt zu haben. Denn 1750, anlässlich der Wahl des Nachfolgers, verlangte einer der konservativen Ratsherren daher: „Die Schule brauche einen Cantorem und keinen Kapellmeister“ - also einen traditionellen Schulkantor, der sich auch außermusikalischen Verpflichtungen widmen solle. Seinen Titel als Kapellmeister des Köthener Hofes behielt Bach lebenslang bei, selbst nach dem Tod des anhaltischen Fürsten Leopold.

Andreas Glöckner

Programm

Dramaturgisch-künstlerisches Programmkonzept: Dr. Andreas Glöckner

(Änderungen und Ergänzungen vorbehalten! Letzte Änderung: 28.08.2026)

Freitag, 3. September 2027, 19.30 Uhr
Kirche St. Agnus
Eröffnungskonzert

Johann Bernhard Bach (1676–1749)
    Ouvertüre (Suite) e-Moll
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
    Kantate „Ich bin in mir vergnügt“ (BWV³ 204)
    Konzert für Cembalo und Streicher E-Dur (BWV³ 1053)
    Kantate „Non sa che sia dolore“ (BWV³ 209)

Le Concert Lorrain (Frankreich)
Leitung: Stephan Schulz

 

Samstag, 4. September 2027, 10.30 Uhr
Schlosskapelle
Mitgliederversammlung (geschlossene Veranstaltung)

 

Samstag, 4. September 2027, 14.30 Uhr
Schlosskapelle
Vortrag
Dr. Andreas Glöckner (Leipzig) zum Thema
„Die Schule brauche einen Cantorem und keinen Kapellmeister“ - Johann Sebastian Bach im Spannungsfeld zwischen schulischen Verpflichtungen und künstlerischer Selbstverwirklichung

Mit freundlicher Unterstützung durch die
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und die Köthen Kultur und Marketing GmbH

 

Samstag, 4. September 2027, 19.30 Uhr
Spiegelsaal im Schloss Köthen
Klavier-Rezital

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
    Partita I B-Dur, BWV³ 825
    Fuge b-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier, Teil I, BWV³ 867/2
    Präludium es-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier, Teil I, BWV³ 853/1
    Präludium und Fuge G-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier, Teil I, BWV³ 860
    Präludium aus der Englischen Suite V e-Moll, BWV³ 810/1
    Präludium und Fuge h-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier, Teil I, BWV³ 869
    Suite Es-Dur BWV³ 819.1
    Präludium und Fuge A-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier, Teil I, BWV³ 864
    Französische Suite IV Es-Dur, BWV³ 815

Konstantin Lifschitz, Klavier (Schweiz)

Mit freundlicher Unterstützung durch die
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und die Köthen Kultur und Marketing GmbH

 

Sonntag, 5. September 2027, 09.30 Uhr
Kirche St. Agnus
Festgottesdienst

 

Samstag, 5. September 2027, 11.30 Uhr
Kirche St. Jakob
Orgelkonzert

Ulrich Böhme, Thomasorganist Leipzig a. D.

Sonntag, 5. September 2027, 17.00 Uhr
Kirche St. Jakob
Abschlusskonzert

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
    Magnificat D-Dur (BWV³ 243.2)
    Missa h-Moll (BWV³ 232.2) (Kyrie & Gloria)

Bach Consort Leipzig
Sächsisches Barockorchester
Leitung: Gotthold Schwarz, Thomaskantor Leipzig a. D.


Radtour zum Köthener Herbst: